Ein Besuch der nachwirkt

Die 10. Klassen in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Am 19. und 20. Oktober besuchten wir die KZ-Gedenkstätte Dachau. Beim geführten Rundgang begegneten wir an vielen Stellen den Spuren des Lageralltags. Was wir in der 9. Klasse im Unterricht gehört hatten, wurde räumlich erfahrbar: der Appellplatz, die Baracken, das Lagergefängnis, die Wachtürme, das sogenannte „Brausebad“ und das Krematorium. Immer wieder fragten wir uns, wie Menschen unter solchen Bedingungen leben und überleben konnten.

Der Leidensweg der Häftlinge begann bereits bei der Ankunft. Sie mussten sich ausziehen und ihre Kleidung sowie alle persönlichen Gegenstände abgeben. Im Häftlingsbad wurden sie am ganzen Körper rasiert, desinfiziert und auf brutale Weise geduscht. Danach erhielten sie eine Häftlingsuniform und Schuhe, die häufig nicht passten. Mit einer Nummer und einem farbigen Wimpel wurden sie gekennzeichnet. An den einzelnen Stationen der Aufnahmeprozedur konnten wir ansatzweise nachvollziehen, wie den Gefangenen systematisch ihre persönliche Identität und Würde genommen wurde.

Alltag unter Kontrolle und Willkür

In den 34 Häftlingsbaracken gab es keine Privatsphäre. Jede Baracke war ursprünglich für 200 Personen vorgesehen, gegen Kriegsende waren sie mit 2000 Häftlingen völlig überfüllt.

Wie willkürlich Strafen verhängt wurden, zeigte uns der Bericht des ehemaligen Häftlings Fritz Ecker, der von 1933 bis 1934 in Dachau inhaftiert war. Er berichtete von den täglichen Bettenkontrollen: Wurde ein Bett vom SS-Mann als nicht ordentlich genug beurteilt, drohten ohrfeigen, Stockhiebe oder Schreibverbot – manchmal auch mehrere Strafen zugleich.

Auf dem Appellplatz mussten die Gefangenen morgens und abends in Zehnerreihen antreten und bei jeder Witterung regungslos stehen. Das dauerte mindestens eine Stunde. Auch Strafexerzieren bis zur Erschöpfung und öffentliche Misshandlungen gehörten zum Lageralltag.

Krankheit, Folter und Ausweglosigkeit

Im Krankenrevier entschied nicht der Arzt über eine Aufnahme, sondern der Lagerführer. Eine Vorgehensweise, die für uns unvorstellbar ist. Wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse und der unzureichenden Ernährung verbreiteten sich Krankheiten und Seuchen schnell. Ab 1941 führten SS-Ärzte grausame medizinische Experimente an Häftlingen durch, hunderte Menschen fanden dabei den Tod.

Ein weiterer Ort des Terrors war das Lagergefängnis, der sogenannte „Bunker“. Dort wurden Häftlinge wochen- oder monatelang in Einzelzellen festgehalten und streng überwacht. 1944 richtete die SS winzige Stehzellen ein, im Hof des Gefängnisses ermordete sie zahlreiche Häftlinge. Ende August 1941 begann die SS dort, sowjetische Kriegsgefangene hinzurichten.

Zur Bewachungsanlage gehörten sieben Wachtürme, ein elektrisch geladener Stacheldrahtzaun, ein Graben und eine acht Meter breite Rasenfläche vor der Lagermauer, die von der SS verharmlosend als „neutrale Zone“ bezeichnet wurde. Betrat ein Häftling diesen Bereich, galt er als fluchtverdächtig und konnte von den Wachen ohne Vorwarnung erschossen werden.

Gaskammer und Krematorium

Der Rundgang führte uns auch in den Krematoriumsbereich. Dort entstand 1942 neben einem älteren Krematorium eine größere Anlage mit vier Verbrennungsöfen und einer Gaskammer. Ob die als Brausebad getarnte Gaskammer jemals in Betrieb genommen wurde, ist nicht belegt. In diesem Bereich, der nicht mehr zum eigentlichen Lager gehörte, wurde uns besonders bewusst, mit welcher Menschenverachtung die Nationalsozialisten gegen ihre politischen Gegner vorgegangen ist.

Erinnern und Verantwortung übernehmen

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers gibt es mehrere religiöse Gedenkorte: die katholische Todesangst-Christi-Kapelle, die israelitische Gedenkstätte, die evangelische Versöhnungskirche und eine russisch-orthodoxe Kapelle. Das Internationale Mahnmal zeigt Menschen im Stacheldraht. Ein Relief in Form einer Kette erinnert an die Solidarität unter den Häftlingen. Am Ende des aufsteigenden Ganges befindet sich ein Grabmal mit der Asche eines unbekannten Häftlings. An der Mauer steht die Mahnung „Nie wieder!“ in fünf Sprachen.

Der Besuch der KZ-Gedenkstätte hat uns vor Augen geführt, wohin Ausgrenzung und Entmenschlichung führen können. Deshalb sind wir alle aufgefordert, uns für den Schutz von Minderheiten einzusetzen. Denn jeder Mensch hat das Recht, in Freiheit und Würde zu leben.